Was ist ein Klartraum?
Ein Klartraum ist ein Traum, in dem du weißt, dass du träumst — während er noch läuft. Das klingt nach Science-Fiction, ist aber ein gut dokumentierter, messbarer Bewusstseinszustand, den die Wissenschaft seit über 50 Jahren untersucht.
Die Definition
Den Begriff „luzider Traum" prägte 1913 der niederländische Psychiater Frederik van Eeden. „Luzid" meinte bei ihm Einsicht haben — der Träumer erkennt seine Situation — nicht „lebhaft" oder „klar" im Sinne der Bildqualität.[1]
Ein verbreiteter Irrtum ist, dass Klarträumen bedeutet, den Traum zu kontrollieren. Kontrolle ist möglich und passiert oft, aber sie definiert den Klartraum nicht. Bewusstheit und Kontrolle hängen zusammen, sind aber getrennt: Du kannst voll luzid sein und einfach nur beobachten, ohne etwas zu verändern.[2]
Der deutsche Psychologe Paul Tholey legte einen Großteil der wissenschaftlichen Grundlagen und schlug sieben Kriterien der „Klarheit" vor, die ein Traum erfüllen sollte, um als luzid zu gelten — darunter Klarheit über den Traumzustand selbst, die Fähigkeit zu entscheiden und zu handeln, die Erinnerung an das Wachleben und das Selbstgefühl.[3]
Wie verbreitet ist es?
Verbreiteter, als die meisten denken. Die bislang größte Auswertung — 34 Studien mit über 24.000 Menschen zusammengefasst — fand:
- ~55 % der Menschen hatten mindestens einmal in ihrem Leben einen Klartraum.
- ~23 % erleben sie regelmäßig — einmal im Monat oder öfter.
Klarträume scheinen bei Jugendlichen etwas häufiger zu sein als bei Erwachsenen.[4]
Wann treten Klarträume auf?
Klarträume treten im REM-Schlaf auf (Rapid Eye Movement) — der Phase, in der das lebhafteste Träumen passiert. Das wurde mit objektiven Schlaflabor-Messungen bestätigt (EEG und Augenbewegungs-Aufzeichnungen), nicht nur mit Selbstberichten. Sie treten tendenziell in Phasen besonders intensiver REM-Aktivität auf.[5]
Was in deinem Gehirn passiert
Forscher beschreiben Klarträumen als einen hybriden Bewusstseinszustand — er trägt Merkmale sowohl des normalen Träumens als auch des Wachbewusstseins.[5]
Im normalen REM-Schlaf ist der vordere Teil deines Gehirns, der für Selbstbewusstsein und rationales Denken zuständig ist, weitgehend abgeschaltet — deshalb fühlen sich bizarre Traumereignisse normal an. Im Klartraum reaktivieren sich einige dieser Regionen, besonders der dorsolaterale präfrontale Kortex und verwandte Areale, die an Arbeitsgedächtnis, Selbstbewusstsein und Metakognition (dem Nachdenken über das eigene Denken) beteiligt sind. Man nimmt an, dass genau diese Reaktivierung es dir erlaubt, im Traum mental „aufzuwachen".[5]
Eine ehrliche Anmerkung. Die Prävalenzzahlen oben stammen aus Fragebögen und Selbstberichten, tragen also eine gewisse Unsicherheit. Die Hirnbildgebungs-Befunde stammen von kleinen Gruppen trainierter Klarträumer — die Richtung ist solide und wiederholt bestätigt, aber die genaue Hirnkarte wird noch verfeinert. Gute Wissenschaft heißt, auch zu sagen, was wir noch nicht wissen.
Kann es jeder lernen?
Die Evidenz sagt ja. Bereits 1980 zeigte Stephen LaBerge in Stanford, dass Klarträumen eine erlernbare Fertigkeit ist — eine, die du mit spezifischen, überprüfbaren Techniken trainieren kannst.[6] Genau dabei helfen dir der Rest dieser Guides — und die Go-Lucid-App.
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- van Eeden, F. (1913). A Study of Dreams. Proceedings of the Society for Psychical Research.
- Kahan, T. & LaBerge, S. (1994). Lucid dreaming as metacognition. Consciousness and Cognition, 3(2), 246–264.
- Tholey, P. (1983). Techniques for inducing and manipulating lucid dreams. Perceptual and Motor Skills, 57.
- Saunders, D. T., Roe, C. A., Smith, G. & Clegg, H. (2016). Lucid dreaming incidence: A meta-analysis. Consciousness and Cognition, 43, 197–215.
- Mutz, J. & Javadi, A. H. (2017). Exploring the neural correlates of dream phenomenology and altered states of consciousness during sleep. Neuroscience of Consciousness, 2017(1).
- LaBerge, S. (1980). Lucid dreaming as a learnable skill. Perceptual and Motor Skills, 51, 1039–1042.